{"id":385,"date":"2025-09-30T12:33:16","date_gmt":"2025-09-30T12:33:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.frauengeschichte-bruchsal.de\/?page_id=385"},"modified":"2025-09-30T12:36:11","modified_gmt":"2025-09-30T12:36:11","slug":"anna-zeiser-erste-stadtraetin-1861-1947","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/frauengeschichte-bruchsal.de\/index.php\/rundgang\/anna-zeiser-erste-stadtraetin-1861-1947\/","title":{"rendered":"Anna Zeiser, Erste Stadtr\u00e4tin, 1861-1947."},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Anna Zeiser steht f\u00fcr die Frauen, die als erste in Bruchsal den Schritt in die M\u00e4nnerwelt der Politik wagten. Engagiert \u00fcbernahm sie die Care-Arbeit im Vinzentiusverein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Anna Maier wurde sie am 24. November 1861 in H\u00fcfingen geboren. 1882 heiratete sie Franz Zeiser, Rechtsanwalt in Bruchsal. So kam sie nach Bruchsal in die Huttenstra\u00dfe 21.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ehepaar hatte 13 Kinder, zwei T\u00f6chter starben fr\u00fch, ein Sohn fiel im Ersten Weltkrieg.<\/p>\n\n\n\n<p>1897 gr\u00fcndete Stadtpfarrer Josef Kunz mit ihrer Mitwirkung den Vinzentiusverein.<\/p>\n\n\n\n<p>Anna Zeiser wurde dessen erste Pr\u00e4sidentin. Sie blieb auch nach dem Tod ihres Mannes 1904 im Amt. Im Vinzentiusverein trug sie Verantwortung f\u00fcr das Funktionieren aller Abteilungen, die im Lauf der Jahre geschaffen wurden: eine Stellenvermittlung, ein Heim f\u00fcr \u201estellenlose und durchziehende M\u00e4dchen\u201c, Koch-, N\u00e4h- und B\u00fcgelkurse und die W\u00f6chnerinnenf\u00fcrsorge.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihre Zust\u00e4ndigkeit im Vinzentiushaus fielen auch eine Schule, Wohnr\u00e4ume f\u00fcr Alleinstehende, eine Volksk\u00fcche und zeitweilig eine Armenspeisung.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits im 19. Jahrhundert wurden in vielen Orten Frauenvereine gegr\u00fcndet, die den Ausgangspunkt der organisierten Frauenbewegung bilden. Dazu geh\u00f6rt auch der Katholische Frauenbund, der am 16. November 1903 gegr\u00fcndet wurde, Vorsitzende war Emilie Hopmann. Zeitenweise arbeitete Anna Zeiser dort im Vorstand mit.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs leitete Anna Zeiser die F\u00fcrsorgearbeit der Vereinigten Frauenvereine Bruchsals, durch die es Frauen auch erm\u00f6glicht wurde, die Arbeit der M\u00e4nner zu \u00fcbernehmen. Nach dem Krieg konnte den Frauen der Zugang zur Politik nicht mehr verwehrt werden. Am 30. November 1918 erhielten sie mit der \u201eVerordnung \u00fcber die Wahlen zur verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung\u201c (kurz Reichswahlgesetz) das aktive und passive Wahlrecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Anna Zeiser wurde 1919 die erste Stadtr\u00e4tin f\u00fcr die Zentrumspartei in Bruchsal; die erste Frau Rat. Sie war auch mit dem Rad unterwegs: die erste Radfahrerin in Bruchsal, wie sie selbst erz\u00e4hlt haben soll.<a href=\"#_edn1\" id=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ihre soziale und caritative T\u00e4tigkeit setzte sie weiterhin fort. Sie unterst\u00fctzte die Wei\u00dfe Rose, den S\u00fcddeutschen Verband der katholischen M\u00e4dchenvereine und war in Kontakt mit Kardinal Faulhaber.<a href=\"#_edn2\" id=\"_ednref2\">[ii]<\/a> Um Geld f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten zu beschaffen, organisierte sie Feste, Lotterien und Basare, z.B. 1930 die Winternothilfe. Als Frau und Zentrumspolitikerin konnte sie ab 1933 ihre T\u00e4tigkeit als Stadtr\u00e4tin nicht mehr fortsetzen.<a href=\"#_edn3\" id=\"_ednref3\">[iii]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zeisers Nachlass im Stadtarchiv ist sp\u00e4rlich. Ein Brief von Johanna Straus hat sich erhalten, in dem eine gro\u00dfe Wertsch\u00e4tzung von der j\u00fcdischen Bekannten, die in Frankreich \u00fcberlebte, f\u00fcr die Familie Zeiser und \u201emeine liebe Frau Rat Zeiser\u201c zum Ausdruck kommt. \u201eEin St\u00fcck Heimat f\u00fcr mich\u201c nannte Johanna Straus Anna Zeiser in dem Brief.<a href=\"#_edn4\" id=\"_ednref4\">[iv]<\/a> Am 13. Mai 1947 starb Zeiser in Bruchsal.<a href=\"#_edn5\" id=\"_ednref5\">[v]<\/a> Seit 2006 ist sie Teil des frauengeschichtlichen Stadtrundgangs, es gibt eine Erinnerungstafel in der Huttenstra\u00dfe<a href=\"#_edn6\" id=\"_ednref6\">[vi]<\/a> und im Baugebiet \u201eZwischen Klosterstra\u00dfe und Hans-Thoma-Stra\u00dfe\u201c wurde 2007 eine Stra\u00dfe nach ihr benannt.<a href=\"#_edn7\" id=\"_ednref7\">[vii]<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\">[i]<\/a> Alois Siegel, Frau Rat Zeiser, in: Fritz Herzer (Hg.): Bruchsaler Heimatgeschichte 1955, S.244. AK Frauengeschichte: Anna Zeiser, in: Wenn wir stark sind\u2026 Gedenktafeln f\u00fcr Frauen aus Bruchsal, Bruchsal, 2009, S. 10\/11.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\" id=\"_edn2\">[ii]<\/a> Anna Zeiser wird von Kardinal Faulhaber als Friedensengel der Wei\u00dfen Rose am 24.01.1927 erw\u00e4hnt: &#8222;18.15 Uhr \u201edie Friedensengel\u201c Anna Zeiser und Maria Reicherthammer (?), beide von der Wei\u00dfen Rose, nicht der Weihnachtsengel von Frau Woerner, wollen Krippe anschauen.&#8220; Besuchertageb\u00fccher des Kardinal Faulhaber (Projekt in Bearbeitung), Ifz M\u00fcnchen, 2025.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\" id=\"_edn3\">[iii]<\/a> Schon ab 1933 wurden alle Parteien au\u00dfer der NSDAP mit dem Gesetz gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933 verboten. Da die NSDAP Frauen das passive Wahlrecht entzog, waren ab der zweiten Reichstagswahl im November 1933 nur noch m\u00e4nnliche NSDAP-Mitglieder w\u00e4hlbar. Auf kommunaler Ebene wurden missliebige Personen aus den \u00c4mtern gedr\u00e4ngt und durch Nationalsozialisten ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\" id=\"_edn4\">[iv]<\/a> Schreiben Johanna Straus, ehem. Schlossstra\u00dfe 3, Bruchsal, Linusstra\u00dfe I, M\u00fcnchen, Amerikanische Zone, Februar 1947. Straus berichtet darin von der Ermordung ihrer Schwestern durch <em>Vergasung<\/em>. Sie \u00fcberlebte <em>wie durch ein Wunder<\/em> in Frankreich und wurde von Tochter Else nach M\u00fcnchen geholt. Im Fr\u00fchjahr werde sie m\u00fcndlich mehr berichten. Nachlass Zeiser, NN1 Nr. 6, Stadtarchiv Bruchsal.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\" id=\"_edn5\">[v]<\/a> Kommentar Pfarrer im Totenbuch: &#8222;Ein Engel des Wohltuns&#8220;, Florian Jung, Mail, 28.8.2025.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\" id=\"_edn6\">[vi]<\/a> Arbeitskreis Frauengeschichte Bruchsal: Wenn wir stark sind &#8230; : Gedenktafeln f\u00fcr Frauen in Bruchsal, Bruchsal, 2009, S. 10 \u2013 11.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref7\" id=\"_edn7\">[vii]<\/a> Ruth Birkle: Frau oder gleich?, Bruchsal, 2013, S. 70.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anna Zeiser steht f\u00fcr die Frauen, die als erste in Bruchsal den Schritt in die M\u00e4nnerwelt der Politik wagten. Engagiert \u00fcbernahm sie die Care-Arbeit im Vinzentiusverein. Als Anna Maier wurde sie am 24. November 1861 in H\u00fcfingen geboren. 1882 heiratete sie Franz Zeiser, Rechtsanwalt in Bruchsal. 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